Gesundheitsmanagement

Ein Rapsfeld durch das ein Weg führt.
BEM: Herzlich Willkommen zurückFoto: Wiebke Skala,  CAU zu Kiel

 

Interview mit Diana Amzoll, Ansprechpartnerin der CAU für das BEM

Hier finden Sie das Interview mit Frau Amzoll als .pdf.

Frau Amzoll, Sie sind unsere Expertin für BEM an der CAU:Was genau ist betriebliches Eingliederungsmanagement (BEM)?

Beim BEM geht es darum mit Mitarbeiter*innen, die lange oder häufig krank sind, ins Gespräch zu kommen. Zusammen mit der jeweiligen Kollegin oder dem Kollegen wird überlegt, ob es von Seiten der CAU etwas gibt, das helfen würde, die Krankheitstage zu reduzieren. Das kann zum Beispiel die neue Maus oder neue Tastatur an einem Büroarbeitsplatz sein, in Werkstätten der leichtere Arbeitsschuh oder die höhenverstellbare Werkbank und auch beim wissenschaftlichen Personal gibt es Möglichkeiten wie z.B. die Reduzierung der Lehre für einen bestimmten Zeitraum.

Kann jeder, der erkrankt ist, zu Ihnen kommen?

Nein, das BEM ist für alle Mitarbeiter*Innen der CAU, die innerhalb eines Jahres sechs Wochen krankgemeldet waren. Dabei addieren wir alle Krankheitstage der letzten 365 Tage zusammen. Das heißt, es ist egal, ob die Krankheit über den Jahreswechsel aufgetreten ist oder jemand sechs Mal eine Woche krank zuhause geblieben ist. Jede/r, also auch Teilzeit- und Aushilfskräfte, die/der mindestens 42 Tage im sogenannten Stichtagsjahr krank war, wird automatisch zu einem BEM-Gespräch eingeladen. Unter Umständen kann auch bereits eine Aufnahme in das BEM ab vierwöchiger Erkrankung innerhalb eines Stichtagjahres sinnvoll sein. Mitarbeiter*Innen können mich dazu gern ansprechen.

Also angenommen ich wurde eingeladen, muss ich dann teilnehmen?

Nein, es besteht keine Teilnahmepflicht. Sollte aber später die CAU krankheitsbedingt kündigen wollen und es ist eine gerichtliche Einigung nötig– wovon im Regelfall natürlich nicht auszugehen ist – können Sie sich nicht darauf berufen, dass nicht durch das BEM versucht wurde, Ihnen die Rückkehr auf Ihren Arbeitsplatz nach der Krankheit zu ermöglichen.

Das heißt ich muss nicht, aber ich sollte am BEM teilnehmen?

Das müssen Sie selbst entscheiden. Grundsätzlich müssen Sie überlegen, ob das BEM in ihrer persönlichen Situation helfen kann. Warum sind Sie krank und hat die Krankheit etwas mit dem Arbeitsplatz zu tun? Nach einem Beinbruch bei einem privaten Skiunfall, hat man schnell jede Menge Krankheitstage erreicht und da hat der Arbeitsplatz keine Auswirkungen, aber wenn Sie Bandscheibenprobleme haben und regelmäßig heben und tragen müssen, gibt es natürlich einen Zusammenhang. Ob die Teilnahme am BEM sinnvoll ist, kläre ich gern in einem ersten persönlichen Gespräch oder am Telefon.

Dann muss ich Ihnen alles erzählen? Warum ich krank bin, was ich habe? Das sind ja sehr vertrauliche Informationen.

Nein, die Diagnose muss nicht mitgeteilt werden. Aber es ist natürlich schwierig, Mitarbeitern*Innen behilflich zu sein, wenn ich keine Informationen habe, was die Ursache für die Krankheitstage ist. Es hilft aber schon, mir schon zumindest einige Hinweise zu geben. Eine Möglichkeit ist es auch, dass der Betriebsarzt über das BEM eingebunden wird und eine Stellungnahme an mich weitergibt.

Hat die Teilnahme negative Konsequenzen?

Nein, hier an der CAU halten wir die vertrauliche Dokumentation über das BEM in einer gesonderten Akte verschlossen. In der Personalnebenakte werden lediglich Informationen über den Anfang und das Ende des BEM sowie die Datenschutzerklärung aufbewahrt. Dadurch können Personaler nicht einsehen, ob ein Mitarbeiter*In bereits am BEM teilgenommen hat, wenn der Arbeitsplatz gewechselt wird.

Wenn ich nun länger erkrankt war und gern am BEM teilnehmen möchte: Wie funktioniert das?

Wenn ein Mitarbeiter*In sechs Wochen in 365 Tagen erkrankt war, wird dieser vom Geschäftsbereich Personal angeschrieben und auf die Möglichkeit des BEM hingewiesen.
Wenn Interesse besteht, kann dann bei mir ein Termin für ein Erstgespräch vereinbart werden. Hier erfolgt eine erste Bestandsaufnahme der derzeitigen Situation und es werden evtl. mögliche Maßnahmen und Folgegespräche vereinbart.

Mit wem findet das Gespräch dann statt?

Das Gespräch wird mit mir geführt. Ich bin speziell geschult und unabhängig von der Personalsachbearbeitung tätig. Auf den Wunsch von der/des Mitarbeiters*In können zudem noch die im jeweiligen Bereich zuständigen Mitarbeiter*In für das BEM aus dem Personalrat, dem Personalrat Wissenschaft und die/der Schwerbehindertenbeauftragte dazukommen.

Wenn das Erstgespräch stattgefunden hat: Wie geht es dann weiter?

Nach dem erfolgten Erstgespräch kann das BEM je nach individueller Situation ganz unterschiedlich weitergehen. Es können noch weitere Folgegespräche geführt werden, verschiedene Hilfestellungen gegeben oder beschafft werden oder das BEM kann nach dem Erstgespräch abgeschlossen sein.
Jeder Mitarbeiter*In kann hier selbst mitbestimmen, wie es weitergeht und eigene Ideen einbringen. Es besteht auch hier keine Verpflichtung, das BEM fortzuführen und es kann jederzeit abgebrochen werden.

Welche Möglichkeiten gibt es, um mir als Mitarbeiter*in zu helfen, auf meinen Arbeitsplatz zurückzukehren?

Die Maßnahmen sind ganz unterschiedlich. Je nachdem was der/ die Mitarbeiter*In benötigt. Wie bereits am Anfang unseres Gesprächs gesagt, unterscheidet sich dies natürlich auch stark je nachdem, ob es um einen Büroarbeitsplatz, Werkstatt, Labor oder eine Lehrtätigkeit geht. Ein paar Beispiele hatte ich ja schon genannt. Neben Veränderungen der Arbeitsplatzergonomie und Arbeitskleidung, kann aber auch z.B. eine Veränderung in der Arbeitsorganisation im Team angestoßen werden.
Eigene Ideen sind mir immer willkommen und ich helfe bei der Umsetzung gern mit.

Wie lange sind Sie schon als Ansprechpartnerin für das BEM aktiv – wie ist Ihre persönliche Bilanz Ihrer Arbeit?

Ich bin nun bereits seit 14 Jahren in Sachen BEM tätig und ich erhalte bisher ein überwiegend positives Feedback. Es konnten schon viele Lösungsvorschläge umgesetzt werden. Damit bin ich sehr zufrieden.

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